Header 20 Jahre INSP

International Network of Street Papers wird 20

Eine tolle Idee erobert die Welt

Mit nur wenigen Anzeichen eines finanziellen Aufschwungs im Alltag und weltweit alarmierend schnell ansteigender Nachfrage bei karitativen Essensausgabestellen wächst die Anzahl von mittel- und obdachlosen Menschen. Viele leben in schwerer Armut oder schlafen auf der Straße und überleben nur durch den Verkauf von Straßenmagazinen.

Durch harte Arbeit und tagtäglichen Erwerb geht es langsam aus der Armut hinaus, und Straßenmagazinverkäufer verändern weltweit die Ansichten ihrer Mitmenschen zum Thema Obdachlosigkeit, und sie zeigen die Wichtigkeit der Straßenzeitungen weltweit auf. Das Internationale Netzwerk der Straßenmagazine (International Network of Street Papers, INSP) unterstützt global 122 Straßenmagazine und 28.000 Verkäufer, und das Netwerk wird dieses Jahr 20 Jahre alt.

Für viele Menschen, die in Armut oder auf der Straße leben, kann das Verkaufen von Straßenmagazinen ihr Leben retten. Sobald ihnen die ersten Ausgaben gegeben werden und sie einen Platz zum Verkaufen haben, sind sie Kleinunternehmen, die sich den Weg aus der Armut erarbeiten und verdienen. Überall auf der Welt verhelfen Straßenzeitungen ihren Verkäufern aus der Obdachlosigkeit, nicht nur mit der Zeitung selbst sondern mit engagierten Sozialarbeitern und Programmen, die auf die individuellen Bedürfnisse der Verkäufer ausgerichtet sind.

Vom Hauptsitz in Glasgow, Schottland, unterstützt das International Network of Street News Papers (INSP) 122 Straßenzeitungen weltweit in der Gründungsphase, in Sachen Redaktion, bei der Einführung von Angestellten und Verkäufern, bei der Finanzierung, beim Erstellen von Netzwerken und hilft, die Menschen für das stetig wachsende Problem der Obdachlosigkeit zu sensibilisieren. INSP wurde 1994 gegründet und feiert dieses Jahr seine 20-jährige Zusammenarbeit mit der Bewegung der Straßenzeitungen.

In diesem Zeitraum hat die Leserschaft der INSP Mitglieder weltweit auf insgesamt 6 Million erreicht und ihre 28.000 Verkäufer haben dieses Jahr über 40 Millionen US Dollar verdient. Die persönlichen Geschichten unserer Verkäufer zeigen, dass die Stärke der Straßenzeitungsbewegung darin liegt, Leben zu retten und die öffentliche Meinung zur Obdachlosigkeit zu ändern.

Verkäufer und Künstler Partick Jansen, der die Straßenzeitung fiftyfifty in Düsseldorf verkauft, begann wegen Problemen zuhause Heroin zu nehmen. Der Drogenkonsum führte zur Obdachlosigkeit und er wurde er mit HIV infiziert. Das Verkaufen des Straßenmagazins hat ihm ein Ziel gegeben und ihm geholfen, sich mit seiner Diagnose abzufinden und nach vorne zu schauen, besonders die einzigartigen Kunstprojekte von fiftyfifty. "Ich verkaufe fiftyfifty seit Juli 2008, bin jetzt clean und mache alles, was das Arbeitsamt mir anbietet. Ich male wieder, mit Pinseln und auf dem Bildschirm und wenn ich genug Bilder habe, kann ich sie in der fiftyfifty-Galerie ausstellen. Ich blicke jetzt in die Zukunft, da man die Vergangenheit nicht ändern kann," sagt Jansen.

Emma Folan, eine Verkäuferin von The Big Issue in the North aus dem Norden Englands, hat Lernschwierigkeiten und litt jahrelang unter Depressionen nachdem sie eine gewaltsame Beziehung hinter sich brachte. Emma erklärt: "Das Verkaufen von The Big Issue in the North hilft mir mit meinen psychischen Problemen fertig zu werden. Es gibt mir einen Grund, morgens aufzustehen. Hätte ich diese Motivation nicht, würde ich nur zu hause herumsitzen und in Selbstmitleid versinken. Es ist wirklich eine Rettungsleine für mich. Meine Botschaft an Obdachlose ist, dass, wenn ich es schaffen kann trotz allem, was ich durchgemacht habe, mein Leben ins Lot zu bringen, dann kann das jeder." Emma weist darauf hin, dass Obdachlosigkeit oft stigmatisiert wird, aber dass Verkäufer/innen wie sie dazu beitragen, dass sich die öffentliche Wahrnehmung ändert. "Ich glaube manche Leute denken, dass alle Straßenverkäufer unter Alkohol- oder Drogensucht leiden, aber das ist nicht der Fall. Jeder kann mal in Not geraten. The Big Issue in the North hilft auch Anfälligen," sagt sie.

Tatsächlich wächst die Zahl der Essensausgaben in allen Teilen der Welt und Essensstationen sind bis an ihr Äußerstes belastet, da nur wenig Geld in solche lebensrettende Programme investiert wird. Oft wird gesagt, dass die meisten Menschen nur zwei Monatsgehälter von der Obdachlosigkeit entfernt sind. Ein Verkäufer, der das unterschreiben kann, ist Reginald Black, ein obdachloser Mann in der Hauptstadt der USA, Washington DC, wo geschätzt ein Fünftel der Einwohner in Armut lebt.

Reginald begann 2008 Street Sense zu verkaufen. Seitdem ist Reginald nicht nur im Verkauf der Zeitung tätig, sondern leistet auch einen Beitrag in Form von Poesie und Prosa, eignet sich mit Unterstützung der Mitarbeiter von Street Sense journalistisches Know-how und Designfähigkeiten an und belegt einen Schreibkurs. Vor allem aber sieht er sich als Verfechter der Obdachlosen. Und Street Sense hilft ihm dabei: "Es gibt so viel Geld und politische Initiativen gegen Obdachlosigkeit, aber niemand schaut uns ins Gesicht. Sie gehen einfach an uns vorbei. Klar, ich bin vielleicht obdachlos, aber ich habe sehr viel zu bieten.“

Für Patrick, Emma, Reginald und ihre weltweit 28.000 Verkäuferkollegen liegt es nun an der Leserschaft das Leben ihrer Verkäufer zu ändern. Haltet an, redet mit Eurem Verkäufer; kauft eine Ausgabe und werdet so ein Teil der bedeutendsten sozialen Bewegung der Welt!

Text: Callum McSorley, Übersetzung: Maren Johnston

Foto: © INSP