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Inken, FsJ 2010 bis 2011: "Hat maßgeblich meine Studienwahl beeinflusst"

Ich heiße Inken, bin inzwischen 24 Jahre alt und war in der Tageswohnung als FSJler tätig. Mein Aufgabenbereich bestand in dieser Zeit hauptsächlich darin, Botengänge zur Bank oder zu Behörden zu übernehmen, bei Bedarf in der Küche auszuhelfen und Artikel für die Straßenzeitung Abseits!? zu verfassen.

Außerdem durfte ich an verschiedenen Veranstaltungen des SKM teilnehmen und dort unterschiedliche Tätigkeiten ausführen. Hinzu kamen Aufgaben wie das Verteilen von Kleidung in der Kleiderkammer und das Aushändigen des Hundefutters für das Projekt Streuner. Mir persönlich hat das Verfassen von Artikeln für die Abseits!? besonders gut gefallen, da es möglich war, eigenständig Interviews zu führen und darüber den Kontakt zu den Besuchern und Besucherinnen herzustellen. Neben diesen festgelegten Aufgaben blieb jedoch genauso Zeit für persönliche und ungezwungene Gespräche zwischen den Besuchern und Besucherinnen der Tageswohnung und mir. So stand ich mit einigen von ihnen im stetigen Austausch und es entwickelte sich eine Vertrauensbasis, mit der ich vorher nicht gerechnet hatte. Ich empfand vor allem das facettenreiche Klientel als besonders interessant und traf während meines FSJs auf unterschiedlichste und spannende Charaktere. Da die TaWo eine Anlaufstelle für wohnungslose und suchtkranke Menschen, Schuldner, ehemalige Straffällige, wie auch für Menschen in besonderen Lebensverhältnissen und mit sozialen Schwierigkeiten darstellt, haben FSJler die Chance, Menschen kennen zu lernen, mit denen sie in ihrem sonstigen Alltag wahrscheinlich wenig zu tun haben. Zudem ist es möglich, neben den erwähnten praktischen Tätigkeiten, Einblicke in die Beratung zu erhalten. Diese findet unter anderem in den Bereichen der Wohnungssuche, der Einkommenssicherung, der Schuldenregulierung und dem Umgang mit Ämtern und Behörden statt.

Sicherlich traten während meines FSJs in der TaWo auch Schwierigkeiten auf und es gab Dinge, die mir weniger gefallen haben. In diesen Fällen war jedoch immer ein/e AnsprechpartnerIn erreichbar und auch in den Seminaren, die während des FSJs stattgefunden haben, konnten diese Situationen und Schwierigkeiten aufgegriffen werden. Manchmal habe ich mich in Situationen wieder gefunden, die überfordernd wirkten oder in denen es mir schwer fiel diplomatisch zu handeln und gleichzeitig nicht verletzend zu wirken. Oftmals fühlten sich BesucherInnen zum Beispiel ungerecht behandelt oder haben die Verantwortung für Fehltritte an andere abgegeben und es fiel mir schwer, damit angemessen umzugehen. Außerdem habe ich zu Anfang einen Großteil der Geschehnisse und Themen mit nach Hause genommen und auch privat darüber nachgedacht. Mit der Zeit konnte ich jedoch ein Gefühl dafür entwickeln, was genau mich beschäftigt und habe darüber mit meinem Tutor, der mich durch mein FSJ begleitet hat, gesprochen. Das hat mir ungemein geholfen, zudem gab er mir gezieltes Feedback. Zu Beginn zeigte ich mich nur wenig kritikfähig, da ich mir viele Gedanken darüber gemacht habe, was genau von mir erwartet wird und wie ich diesen Anforderungen gerecht werden kann. Doch es fiel mir im Laufe des FSJs zunehmend leichter, diese Verbesserungsvorschläge anzunehmen und an Lernfeldern zu erproben. Es war für mich besonders anstrengend, konsequent zu sein und mich durchzusetzen. In diesem Bereich habe ich während des FSJs entscheidend dazu gelernt und mich weiterentwickelt. Mir wurde schnell klar, dass ich nicht ernst genommen werde, wenn ich mich nicht von Anfang an durchsetze.

Stelle ich mir nun im Nachhinein die Frage, was ich aus dieser Zeit für mich persönlich mitgenommen habe, fallen mir die verschiedensten Aspekte ein. Unter anderem hat die Zeit in der TaWo maßgeblich meine Studienwahl beeinflusst. Aufgrund der Erfahrungen und den Eindrücken, die ich während meines FSJs sammeln konnte, habe ich mich entschlossen, ein Studium im sozialen Bereich zu beginnen. Das bedeutet, dass ich nicht ausschließlich persönliche, sondern ebenso Kompetenzen für mein weiteres Berufsleben durch das FSJ erlernen und vertiefen konnte. Ich möchte im Anschluss an mein Studium gerne im sozialpädagogischen Bereich als Beraterin tätig sein und konnte während des FSJs bereits einige hilfreiche Grundsätze der Beratung beobachten und anwenden. Zudem konnte ich verschiedene Fähigkeiten ausbauen, von denen ich ursprünglich angenommen hatte, sie bereits zu besitzen; sich zum Beispiel auf angemessene Weise in eine Person einzufühlen und Probleme wahr- sowie ernstzunehmen.

Zusammenfassend kann ich für mich persönlich festhalten, dass die Zeit in der TaWo emotional herausfordernd, in unterschiedlichsten Bereichen lehrreich, aber gleichzeitig auch lustig und schön war. Es fiel mir gegen Ende des Jahres weniger schwer, pointiert zu benennen, wie ich Situationen einschätze, was ich am Verhalten anderer positiv oder negativ beurteile und wie ich mich mitteilen kann, ohne das Gegenüber zu verletzen, aber gleichzeitig meine Meinung vertrete. Das Jahr hat mich zum einen bei meiner eigenen Persönlichkeitsfindung deutlich voran gebracht, zum anderen konnte ich an Menschenkenntnis gewinnen, sodass ich im Umgang mit verschiedensten Personen viel sicherer geworden bin und besser auf deren Bedürfnisse eingehen und sie auf eine angemessene Art und Weise unterstützen und verstehen kann.

 

PraFootInken