Sarah

Sarah, Bufdi 2013-2014: Ein Jahr in der TaWo - oder besser, wenn Urlaub eine Strafe ist

Wenn man nach einem Jahr zurück schaut setzt man oft die „ rosarote Rückblickbrille“ auf und alles scheint perfekt gewesen. Doch genau das will ich nicht tun. Mein Jahr war geprägt von vielen tollen Erfahrungen, aber auch von negativen. Genau diese bringen einen aber oft weiter.

Zu Beginn meines Bundesfreiwilligendienstes in der Tageswohnung war der von mir am meisten gehörte Satz: „Und das magst du wohl machen bei den Obdachlosen?“ Und ich muss zugeben, ganz wohl wa  mir bei dem Gedanken nicht direkt. Die eigenen Vorurteile, die sich oft über Jahre in einem festgesetzt haben, sorgten für eine gewisse Angst. Doch eins ist mir in diesem Jahr bewusst geworden – wir urteilen viel zu schnell! Wir erlauben uns ein Urteil über Fremde ohne eine Ahnung von ihrer Lebensgeschichte zu haben. Genau solche Geschichten habe ich in dem Jahr oft hören dürfen. Ich hatte die Gelegenheit, in meist zwanglosen Gesprächen viel über die unterschiedlichen Besucher und ihr Leben zu erfahren. Heute kann ich auf die Frage „Und das magst du wohl tun?“ nur ganz klar antworten: „Sogar liebend gern!“. Es war sicherlich nicht immer einfach, und es gab auch Tage, an denen man sehr genervt war. Aber jede einzelne Erfahrung ist für mich in nachhinein wichtig und wertvoll.

Meine Aufgaben in dem Jahr waren extrem vielfältig. Von einfachen Abrechnungen über Besuche bei Klienten bis zu Wohnungsentrümpelungen oder auch der Mitarbeit im Büro der abseits-Redaktion. Jeder Tag und jede Aufgabe war anders und auf seine Art besonders.

Mein Bundesfreiwilligendienst hat mir die Möglichkeit gegeben, in einen Bereich zu schauen, mit dem sich bestimmt nicht jeder auseinandersetzt. Und auch heute, knapp ein dreiviertel Jahr nach meinem Freiwilligendienst, besuche ich die Tageswohnung immer noch sehr gern. Eine Besucherin hat mir dies mal so erklärt. Es ist wie bei einem Baum. Du wächst immer weiter, aber eine deiner Wurzeln hast du auch weiterhin hier. Dieser Vergleich erscheint mir sehr passend, da ich mit Sicherheit noch oft an die schöne und spannende Zeit mit vielen liebgewonnen Menschen zurückdenken werde. Ich denke, die Zeit in der TaWo hat mir viel Selbstsicherheit gegeben und mich letztendlich auch darin nochmals bestärkt, mein Studienfach Soziale Arbeit zu wählen.

 

PrFooSarah