Tom, FsJ

Tom, FsJ 2014-2015: Öffne dein Herz, die Augen - Mein FsJ in Tageswohnung und Fachberatung

Als ich mich im Frühjahr 2014 beim Bistum Osnabrück auf eine FSJ-Stelle bewarb, hatte ich noch nicht die geringste Ahnung, was ich da eigentlich genau vorhabe. Ich hatte keine große Lust, mit Kindern zu arbeiten und eine Stelle, die intensive Pflege von älteren oder behinderten Menschen beinhaltet, traute ich mir damals nicht zu.

Bei dem ersten Informationstermin im Forum am Dom in Osnabrück stellte man mir und etwa zwanzig weiteren Bewerbern mögliche Einrichtungen vor, von denen die meisten genau das waren: Kindergärten, Krankenhäuser oder Pflegeheime. Dennoch fand ich einige Interessante Stellen und bin so glücklicherweise in der Tageswohnung an der Bramscher Straße gelandet.

In der ersten Zeit meiner Tätigkeit dort hatte ich das Glück, dass meine Vorgängerin auch noch dort arbeitete und mich so in die anfallenden Aufgaben einarbeiten konnte. Dies waren ebenso Bürotätigkeiten als auch das Helfen in der Küche oder Besuche bei Klienten, um bei Wohnungsentrümpelungen oder Umzügen zu helfen. Im Großen und Ganzen war die Arbeit sehr vielseitig und auch der regelmäßige Telefondienst in der Fachberatungsstelle über der Tageswohnung konnte nicht verhindern, dass mir die Arbeit sehr viel Freude bereitet hat.

Täglich kam man ins Gespräch mit Besuchern und hatte die Möglichkeit, vieles über ihre Geschichten und Lebensläufe zu erfahren, sodass schnell das bisschen an Berührungsängsten oder Vorurteilen, die ich hegte, verschwanden. Die meisten Leute, die einen wohnungslosen Menschen in der Öffentlichkeit sehen, nehmen ihn nicht als das wahr, was er ist: ein Mensch mit seiner eigenen Geschichte, Problemen und Sorgen, aber auch mit seinen Vorzügen, Fähigkeiten und Bedürfnissen. Kurz gesagt: Die Meisten sehen an diesen Leuten vorbei. Auch ich kann mich nicht davon freisprechen, das eine oder andere Mal so gehandelt zu haben. Darüber habe ich in meiner Zeit in der TaWo immer wieder nachgedacht und weiß heute, dass ein einfaches „Guten Tag!“ oder ein freundliches Lächeln das Mindestmaß an Respekt ist, was wir uns alle gegenseitig schuldig sind.

Ein weiterer sehr schöner Aspekt dieses Jahres war das Mitsingen im abseits-Chor, einer Gruppe aus Besuchern und ehren- sowie hauptamtlichen Mitarbeitern der Tageswohnung. Die wöchentliche Chorprobe und regelmäßige Auftritte haben mir viel Freude bereitet und ich hatte sogar das Glück, zu einem Auftritt in Hannover mitfahren zu dürfen. Außerdem erhielt ich einen Einblick in die Arbeit der Redaktion der Straßenzeitung abseits und hatte das ein oder andere Mal die Möglichkeit, auch selbst Artikel zu verfassen. Ein Highlight war dabei das Interview mit dem Youtuber „$ick“, der in seinen Videos von seiner Zeit als Heroinabhängiger berichtet.

Natürlich herrschte nicht immer eitel Sonnenschein. Es entstehen Konflikte zwischen Besuchern untereinander oder Besuchern und Mitarbeitern, wenn jemand mit Entscheidungen, Regeln oder Situationen unzufrieden ist. Dabei kann es schon mal laut werden oder fast bedrohlich wirken. Dennoch habe ich auch oder gerade durch schwierige Situationen viel gelernt und mein Selbstvertrauen im Umgang mit anderen Menschen gestärkt.

Abschließend möchte ich allen Mitarbeitern und Besuchern für die Zeit danken und kann nur jedem ans Herz legen, sich für einen Freiwilligendienst beim SKM, sei es die Tageswohnung oder eine andere Einrichtung, zu entscheiden. Mein tiefster Respekt gilt den Sozialarbeitern, die sich aufopferungsvoll für ihre Klienten einsetzen und den ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern der Tageswohnung und abseits-Redaktion, die mit ihrer Arbeit dafür sorgen, dass der Alltag dort funktioniert und Menschen in Not sich Waschen, etwas essen oder einfach nur mal entspannt auf einem Sofa Zeitung lesen können.