Kopfball Jonas

Jonas, FsJ 2015-2016: Fußball, abseits, Raucherpausen

Ich durchblätterte die Liste der möglichen Einsatzstellen für mein vom Bistum organisiertes FSJ.  Vielleicht im Kindergarten? Ich erinnerte mich an die Zeit zurück. Ich sah 25 kleine Kinder umherwuseln, hörte Kindergeschrei. Lieber nicht! Vielleicht ein FSJ in der Altenpflege? Auch nicht ganz mein Ding. Ich überlegte. Eigentlich suchte ich nach einer anderen Grenzerfahrung...

...als Vorbereitung auf mein Studium. Ich blätterte und blätterte. Nach Seite fünf oder sechs traf es mich wie ein Blitz. Die Tageswohnung für wohnungslose Menschen. Das war es, da musste ich unbedingt hin! Ich ging hinauf zu den Büros und wartete bis ich aufgerufen wurde. Nachdem ich hereingelassen wurde, fragte mich die Koordinatorin des FSJ, für was ich mich entschieden hatte. „Für die Tageswohnung,“ erzählte ich ihr. Sie warnte mich, wie viele andere auch aus meinem Umkreis, dass es nicht einfach werden würde. Der Geruch, die alkoholisierten Leute. Man dürfe nicht zimperlich sein. Das war mir alles egal, denn ich hatte mich dafür entschieden.

Dann ging es los. Ich war gespannt auf das, was mich erwarten würde. Die ersten Tage vergingen wie im Flug. Und keine der Warnungen hatte sich bestätigt. Okay. Ab und zu roch es doch mal ganz schön streng. Aber daran gewöhnte ich mich schnell. Die Kollegen waren alle super nett und ich wurde herzlich aufgenommen. Doch auch die BesucherInnen haben mich in ihre Mitte geschlossen. Teilweise hatte ich den Eindruck, dass die Leute, die am Rande unserer Gesellschaft leben, aufmerksamer und aufgeschlossener neuen Personen gegenüber sind als die Personen aus dem alltäglichen Leben. Vielleicht lag das auch an meiner Unvoreingenommenheit. Mir war es egal, wie betrunken jemand war oder wie fertig jemand aussah. Ich habe alle ernst genommen; so wurde auch ich ernst genommen. Aber auch das ganze Team der Tageswohnung, vom Ein-Euro-Jobber aus der Küche bis zu den Sozialarbeitern der Fachberatung, hat mich herzlichst aufgenommen und mir alle Möglichkeiten geboten, mich weiterzuentwickeln und selbst tätig zu werden.

Ich lernte die Fachberatung kennen, durfte an Hilfeplangesprächen teilnehmen, war in der abseits-Redaktion aktiv, hatte immer eine Zigarettenlänge Zeit, um die Besucher der Tageswohnung näher kennenzulernen und gründete eine kleine Fußballmannschaft, die regelmäßig die Pille über den Bolzplatz kickte. Unser größter Erfolg war wohl der dritte Platz bei einem Fußballturnier in Papenburg. Osnabrücker Fußballkunst eben. Natürlich konnte mich Thomas Kater auch dazu motivieren, beim abseits-Chor mitzumachen. Es war eine interessante Erfahrung, zu sehen, wie gerne die Mitglieder des Chores zusammen singen. Sie sind wahrlich keine begnadeten Sänger, überzeugen aber durch ihr Herz bei der Sache.

Es war ein richtig gutes Jahr, welches mich um mindestens zwei weitere Jahre bereichert hat. Auch der wöchentliche Telefondienst hat dem keinen Abbruch getan. Und es hat mich nochmal in meinem Willen bestärkt, tatsächlich Soziale Arbeit zu studieren. Warum Woche für Woche in einem Wirtschaftsunternehmen Kohle scheffeln, wenn man mit solch tollen Leuten zusammenarbeiten kann? Großen Dank an das Team, danke an die Besucher, danke TaWo, danke Telefondienst. Vielleicht bin ich ja nach meinem Studium wieder da.

 

PrFoo Jonas

Fotos: Thomas Osterfeld