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Rabea, FsJ 2012 bis 2014: "wertvolle Erfahrungen"

Nachdem ich 13 Jahre lang an einem Tisch gesessen und konfuses Zeugs von der Schultafel abgeschrieben hatte, empfand ich die Aussicht, im Studium gleich damit weiterzumachen, als nicht sonderlich prickelnd. Also entschloss ich mich, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen, und bewarb mich um eine entsprechende Stelle in der Tageswohnung.

Wer zwei Jahrzehnte in der wohlbehüteten Einöde einer mittelständischen Familienhaussiedlung verbracht hat, ist gespannt auf eine Grenzerfahrung. Und die sollte ich bekommen. Ich war äußerst gespannt darauf, einen Einblick in den Alltag obdachloser Menschen zu gewinnen – von den gängigen Vorurteilen ließ ich mich nicht beirren, ich startete ohne Berührungsängste in meinen neuen Job. Ich wurde von den anderen Mitarbeitern herzlich aufgenommen, es herrschte gleich eine entspannte Atmosphäre im ganzen Haus.

Es schien mir alles fast ein bisschen zu harmonisch abzulaufen, bis zum dritten Tag. Ein betrunkener Besucher erschien in der TaWo, beschimpfte einen Mitarbeiter und wurde schließlich sogar handgreiflich. Eine derart direkte Konfrontation mit echter Gewalttätigkeit war neu für mich und dementsprechend schockierend. Glücklicherweise konnte die Situation entschärft werden; ein Sozialarbeiter versicherte mir, dass Vorfälle dieser Art selten wären – im Rückblick kann ich das bestätigen, denn es kam in dieser Heftigkeit nicht mehr vor.

Stattdessen entwickelte sich das Jahr für mich äußerst erfreulich. Ich fühlte mich in der Gemeinschaft mit den anderen Mitarbeitern sehr wohl und fand den Umgang und die vielen Gespräche mit den Besuchern oft bereichernd. Insgesamt gefiel mir das FSJ in der Tageswohnung so gut, dass ich es sogar noch um ein halbes Jahr verlängerte.

Ich habe in dieser Zeit viel gelernt und eine Menge spannender Lebensgeschichten zu hören bekommen. Gerade diese Menschen, die es im Leben oft hart getroffen hat, können einem ganz neue Perspektiven auf die Welt eröffnen. Ich kann ein solches FSJ also nur weiterempfehlen; wer in der Lage ist, von der Gesellschaft ausgegrenzte Menschen mit ihren Eigenheiten zu akzeptieren, wird hier wertvolle Erfahrungen machen.

Letztendlich waren diese eineinhalb Jahre eine schöne und spannende Zeit für mich. Ich werde noch oft daran zurückdenken.

 

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