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Werner: Mein Leben nach der Obdachlosigkeit

Wie ich schon berichtete, bin ich 2001 als Obdachloser nach Osnabrück gekommen. Bis 2002 habe ich im Laurentiushaus gewohnt. Mir wurde bei allen Problemen geholfen. Nach einem Jahr habe ich eine eigene Wohnung bekommen. Ich habe zu dieser Zeit die Abseits!? Verkauft, und eine Kundin gab mir dann eine kleine Wohnung. Ich habe Tag für Tag die Abseits!? verkauft, bei Wind und Wetter. 

Das schätzten die Kunden sehr, konnten sie sich doch auf mich verlassen. Eines Tages sprach mich eine Frau an, welche regelmäßig eine Zeitung kaufte, ob ich mit ihr einmal essen gehen würde. Ich hatte erst kurz überlegt und dann zugestimmt. Ich bemerkte dann, dass sie überhaupt nicht lächeln oder lachen konnte. „Ob sie es verlernt hat durch viel Kummer und Sorgen?“. So kreisten meine Gedanken um diese Frau. Wir haben uns dann zum Mittagessen verabredet. Sie kannte meine Lebensgeschichte aus der Abseits!?. Und so brauchte ich ihr nicht viel von mir zu erzählen. Sie sprach dann von ihrem Los, und so konnte ich verstehen, dass sie sehr ernst war. Sie pflegte seit acht Jahren ihren schwer kranken Mann und war auf sich allein gestellt. So kam es dann, dass ich jeden zweiten oder dritten Tag bei ihr war und ihr bei der Pflege ihres Mannes half. Meine Gesundheit war auch nicht die Beste, und so musste es kommen, dass ich nach 3 ½ Jahren die Abseits!? nicht mehr verkaufen konnte, zum Leidwesen meiner Kunden.

Helga, so hieß diese Frau, sagte zu mir, ich solle doch bei ihr bleiben. So könnten wir uns gegenseitig helfen. So geschah es dann auch. Ich bemerkte auch, dass sie immer öfter wieder lachen konnte. Mit der Zeit haben wir uns ineinander verliebt. Wir sind gemeinsam in den Urlaub gefahren, dies war für mich Neuland. Sie half mir bei meinem Alkoholproblem und stand immer an meiner Seite. Seit einigen Jahren bin ich trocken. Heute frage ich mich, warum ich so tief sinken musste. Es ist ein großes Glück, einen solchen Menschen zu finden. Helga und ich sind seit zwölf Jahren zusammen. Meine erste Ehe war nicht glücklich. Aber mit Helga ist das anders, es ist bis heute wunderschön. Ich habe so eine Liebe zuvor nie erlebt. Nach ihrem Herzinfarkt war es der absolute Tiefschlag. Wir lagen uns weinend im Arm. Ich sagte ihr: „Wir lassen nicht zu, dass die Krankheit zwischen uns etwas kaputt macht. Du darfst nicht aufgeben.“ Ich wusste nicht, dass ich so stark bin. Aber wenn man wirklich liebt und wenn dich jemand wirklich braucht, entwickelst du ungeahnte Kräfte. Ich ließ nur positive Dinge in unser Leben. Lachen ist die beste Medizin. So etwas gemeinsam zu überstehen, schweißt ungemein zusammen. Es gibt der Beziehung eine Tiefe. Ich konnte ihr beweisen, dass ich mit ganzem Herzen zu unserer Beziehung stehe. So, wie sie es mir unzählige Male bewiesen hat. Und so sind wir glücklich bis zum heutigen Tag und hoffen gemeinsam, dass diese Zeit noch viele Jahre hält.

Ihr (euer)

Werner Peters

 

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