Gaby: Die Milch macht’s!

Gaby ist seit eineinhalb Jahren abseits-Verkäuferin in Haste. Was sind Gabys Hintergründe für den abseits-Verkauf? Und wie kommt man eigentlich von München nach Haste? Als ich mich mit Gaby zum Interview in ihrer Wohnung traf, begrüßte mich zunächst ihr kleiner Hund Meilow an der Tür. Dann gab mir Gaby mit einem Lächeln die Hand und bot mir einen Kaffee an. 

Versorgt mit einer Tasse Kaffee, stellte ich meine erste Frage, wie sie zum Verkauf von abseits kam. Ihre Antwort: „Ich habe 34 Jahre als Büroangestellte gearbeitet, bis ich mit 54 Jahren aus gesundheitlichen Gründen als Frührentnerin aus dem Berufsleben ausschied. Als ich dann im Jahr 2005 noch eine gute Freundin durch einen Suizid verlor, fiel ich zunächst in ein richtiges Loch. Eines meiner fünf Geschwister lebt in der Nähe von Osnabrück, dadurch zog ich dann hierher. Davor lebte ich 30 Jahre (bis 2007), in München. Ich empfand Menschen hier in Osnabrück ziemlich schnell als nicht so oberflächlich und irgendwie freundlicher als in München. Menschen aus München sagen manchmal schnell etwas aus irgendeiner ‚Bierlaune‘ heraus. Hier ist es meistens irgendwie verbindlicher, wenn Menschen etwas sagen. Durch einen Nachbarn und einen anderen abseits-Verkäufer kam ich dann vor vier Jahren zum ersten Mal dazu und seit anderthalb Jahren ist mein Stammplatz direkt vor Edeka Prüßmann am Eberleplatz. Von einigen meiner 30 Stammkunden bekomme ich dort auch schon mal Kuchen, Kaffee oder Schokolade geschenkt.“

Zum Ladenpersonal meint Gaby: „Die Verkäuferinnen im Laden kennen mich auch als die kleine abseits-Verkäuferin, die so gerne Milch trinkt.“ Lachend fügt Gaby hinzu: „Ja, die Milch macht’s! Durch den Verkauf von abseits und den Kontakt zu meinen Kunden konnte ich schließlich ein gutes soziales Netz und eine schöne Tagesstruktur für mich aufbauen. Mir bekannte Ladenkunden bekommen von mir immer ein freundliches ‚Hallo!‘ bevor sie in den Laden gehen. Manche geben mir Geld und sagen, dass sie die Zeitschrift schon haben. Andere möchten sich einfach auch nur mal kurz mit mir unterhalten, ohne dass sie eine Zeitung kaufen. Für mich ist das alles völlig okay. Anfangs verkaufte ich auf der Großen Straße. Dort lief es für mich nicht so gut. Aufgrund meiner geringen Körpergröße ging ich dort oft in der Menge unter. Hier am Eberleplatz habe ich diese Sorge nun nicht mehr“.

Wenn Familie Prüßmann nicht die Möglichkeit eines abseits-Verkaufsplatzes geboten hätte, würde Gaby vermutlich weiterhin auf der Großen Straße verkaufen. Bestimmt ist es anderen Ladenbesitzern nicht immer bewusst, welche Bereicherungen sie manchmal durch einen abseits-Verkaufsplatz bieten. Die große Bereicherung für Gaby liegt wiederum darin, dass sie sich jetzt noch mehr in der Gesellschaft gesehen fühlt. Niemand möchte Mitleid, aber sich manchmal von Mitmenschen gesehen zu fühlen, gehört, für mich, auch mit zur Menschlichkeit.

In diesem Sinne möchte Gaby sich bei ihren treuen Kunden und dem gesamten Team von Edeka Prüßmann für eine tolle Zusammenarbeit bedanken.

 

4LVK Gaby

Fotos: © Thomas Osterfeld