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Trulli, Barny und die Pottblume

Trulli heißt eigentlich Thomas und verkauft Abseits!? vor der Pottblume. Thomas ist Alkoholiker und seit über sechs Jahren trocken. Früher hatte Trulli mal ein ganz normales Leben, so mit Job, Familie, Frau, Kind und Häuschen. Dann wurde der Alkohol immer mehr. Die Familie zerbrach. Noch mehr Alkohol, dazu Drogen, Stress mit der Polizei, Knastaufenthalt, danach immer weiter mit dem Suff.

Tägliches Komasaufen mit den Kumpels. „Irgendwann konnte ich nicht mehr richtig gehen, Polyneuropathie. Das ist eine Erkrankung des Nervensystems. Das kam vom Alkohol. Der Arzt meinte, wenn ich weiter saufe, bin ich in zwei Jahren in der Kiste.“ Tod oder Entzug – vor die Wahl gestellt, hat Trulli gerade noch so die Kurve gekriegt. „Das hat mir keiner zugetraut, nicht die Kumpels, nicht die Leute von der Polizei, keiner, der mich kannte.“ Aber er hat sich eisern durchgebissen und ist jetzt knochentrocken. Trulli hat kürzlich sogar die Medizinisch-Psychologische Untersuchung erfolgreich absolviert und seinen Führerschein zurück. Darauf ist er besonders stolz.

Trullis bester Kumpel heißt Barny. Die beiden gehen gemeinsam durch dick und dünn und sind seit zehn Jahren ein unzertrennliches Gespann. Wenn Trulli ein Geschäft betritt, schiebt Barny draußen Panik, ob Trulli da wohl auch wieder rauskommt. Denn Barny ist ein Hund. Aber nicht irgendein Hund, sondern der sprichwörtlich beste Freund des Menschen Trulli. „Den hab ich schon als Welpen im Rucksack mitgeschleppt. Der ist so ein richtiger Straßenköter. Der hat alles mitgemacht, alle meinen Höhen und noch mehr von meinen Tiefen.“

Jetzt stehen Barny und Trully vor der Pottblume und verkaufen Abseits!?-Hefte. Barny versucht, die herumstreunenden Pottblume-Katzen zu ignorieren. Er ist mehr an möglichen Streicheleinheiten durch vorbeilaufende Kunden interessiert. Auch Straßenköter können Schmusehunde sein. Und alles Essbare ist natürlich von größtem Interesse. Straßenköter haben immer Appetit. Deswegen inspiziert Barny jede Tasche, die vorbeigetragen wird, auf Verwertbares.

Trulli freut sich derweil über die Freundlichkeit der Kunden. Ein Schwätzchen hier, eine Plauderei dort, und das Geld stimmt auch. Manchmal ist er auch amüsiert: „Ab und zu werde ich gefragt, wo ich heute Nacht schlafe. Und wenn ich dann 'in meinem Bett' antworte, sind viele verwundert.“ Nicht jeder Abseits!?-Verkäufer ist wohnungslos und lebt auf der Straße. Man muss nicht erst ganz unten angekommen sein, um sich wieder hochzurappeln.

Neben den freundlichen Kunden empfinden Barny und Trulli auch die Mitarbeiter der Pottblume als sehr angenehm. Äußerst fürsorglich sind sie um das Wohlergehen „ihrer“ beiden Abseits!?-Verkäufer bemüht. „Kaffee wird mir fast mehr angeboten, als ich trinken kann. Ich habe ja schon an einigen Geschäften Abseits!? verkauft, aber so nett wie hier bin ich noch nirgends empfangen worden,“ freut sich Trulli. Er meint damit sowohl die Kunden als auch das Personal der Pottblume. Vielleicht wirken die vielen Blumen ja einfach positiv auf das Gemüt.

 

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Alle Fotos: © Helga Duwendag-Strecker